frau burow näht

frau burow näht

Freitag, Februar 29, 2008

°früher°

diesen text hat mir mein mann heute morgen geschickt. ich mußte beim lesen schmunzeln.
dazusagen muß ich euch noch, daß ich eine unheimliche glucke bin und sehr ängstlich über meine mädels wache. zurückblickend hatte ich als kind aber all diese freiheiten- und mir geht es gut.
vieleicht sollte ich bei einigen dingen doch etwas mutiger werden und meine mädels einfach loslassen :o)
ach ja, der text bezieht sich eher auf die männliche kindheit, aber vieles werdet ihr trotzdem wiedererkennen...

Wenn du nach 1980 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun....Verschwinde!Kinder von heute werden in Watte gepackt..........Der Rest: Weiterlesen.Wenn du als Kind in den 60er, 70er oder 80 Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten!Wir haben es tatsächlich geschafft.Kaum zu glauben, aber es ist so. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell was der Gesetzgeber und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein.Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber, des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula. Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen die benebelten und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers?Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch nicht kindersicher. Messer, Schere, Gabel und Licht wurden uns zwar verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten um es zu glauben. Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne Schützer und Helme.Die Risiken per Anhalter in den nächsten Ort zu fahren waren uns unbekannt! Zum Thema Auto erinnere ich mich weder an einen Sicherheitsgurt, noch an Airbags, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen meines Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts schöneres als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals noch komplett runterkurbeln konnte) es fahrenden Autos zu stecken und sich den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, dass man kaum noch Luft bekam.Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und nicht aus einer Flasche. Wahnsinn! Wir aßen fettige Schmalznudeln und frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf, dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes Tri Top. Fett geworden sind wir deswegen nie, weil wir immer draußen waren. Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken und es ist tatsächlich keiner daran gestorben.Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten oder ähnlichen Gefährten geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und splitterigem Holz konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runtergebrettert nur um festzustellen, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein paar Mal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt auch dieses Problem zu lösen.Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag gespielt, höchstens unterbrochen von Essenspausen und kamen erst wieder rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen konnte. Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys! Wenn es regnete spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox Autos ganze Städte auf. Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele, keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround Anlagen. Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine Überraschung waren, weil keiner wusste was zu erwarten war und wenn zufällig ein Donald Duck oder Micky Maus Film dabei war, hatte man das ganz große Los gezogen.Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht. Wir haben Fußball gespielt mit allem was sich kicken ließ und wenn einer einen echten Lederball hatte war er der King und durfte immer mitspielen, egal wie schlecht er war. Um im Verein mitspielen zu dürfen gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht geschafft hat, lernte mit der Enttäuschung umzugehen. Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde. Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne ausgeschlagen. Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle an denen wir Schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte. Wer erinnert sich noch an Unfälle? Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert und ein Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir uns an Brennnesseln gebrannt haben, oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder drauf gespuckt, oder den Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf gepinkelt. Geholfen hat alles.Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig grün und blau geprügelt und gelernt damit zu leben und darüber weg zu kommen. Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit Ästen gefochten und Würmer gegessen. Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir kaum ein Auge ausgestochen und die Würmer haben auch nicht in uns überlebt. Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben nur um mit ihm zu reden.Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert, egal aus was für Gründen. Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich. Konsequenzen waren immer zu erwarten, wenn wir Scheiße gebaut hatten. Der Gedanke, dass ein Elternteil uns rausklopft wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil, die Eltern stellten sich auf die Seite des Gesetzes. Stellen Sie sich das einmal vor!Unsere Generation hat einige der größten Enterpreneure und Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen. Wir hatten Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg. Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt damit umzugehen. Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten, anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken. Unsere Eltern trauten uns zu die richtigen Entscheidungen zu treffen. Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen zählen wir zu unseren Lebenserfahrungen.Und du gehörst auch dazu.Herzlichen Glückwunsch!

Kommentare:

  1. Wow!!!
    Ich weiß garnicht was ich dazu schreiben soll.
    Der Text ist so wahr und entspricht genau dem wofür ich in unserer Gegend Kämpfe. Laßt den Kindern den Freiraum ihre Kreativität zu entdecken, das Leben zu spüren und Erfahrungen zu machen!!!
    Wenn man heutzutage Kindern diesen Freiraum läßt, ist man ganz schnell, in den Augen der Gesellschaft, eine Rabenmutter.
    Ich Danke dir für diesen wunderbaren Text, der hoffentlich zum Nachdenken anregt!

    GlG Tanja

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  2. Der Text ist klasse! ich hatte ihn vor einiger Zeit schon mal in einem Blog gelesen! Ja da ist viel wahres dran.

    LG Beate

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  3. Ein wirklich schöner Text. Und mein einziger richtiger Unfall war ein gebrochener Arm in meiner Kindheit.
    Glücklicherweise leben wir hier auf dem Land, und meine Kinder können noch einiges so erleben,wie wir früher.
    Aber stellt euch doch mal vor, niemand hätte das Internet erfunden..... Dann könnten wir jetzt nicht hier sitzen und uns über die gute alte Zeit austauschen ;-).
    Lg Kathleen

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  4. Ich kannte schon den Text , trotzdem stimm ich seinem Inhalt voll und ganz zu !!!!
    Aber warum ist es so .. wieso spielen die Kinder nicht mehr auf der Straße ..??
    Weil jeder Angst hat beim heutigen Verkehr und vorallem hört man doch ständig das Kinder verschleppt und missbraucht werden.
    Klar gab es sowas auch früher, aber da wurde das Mäntelchen des Schweigens drüber ausgebreitet. Da sprach man nicht von.
    Ich erinner mich an ein paar Gegebenheiten meiner Kindheit, da würde man heute Zeter und Mordio schreihen (alte Opas , die unter dem Mantel nackt waren zum Beispiel oder Opas die oben auf dem Balkon uns Kindern runterriefen, wir sollte hochkommen zum f***en).

    Hinzu kommt das die Kinder doch heute alle keine Zeit mehr haben weil sie gefördert werden wie Logopädie, Ergotherapie, sämtliche Sportarten(Verein) Musikunterricht etc

    LG Britta

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  5. toller Text! Ich weiss noch, dass ich mit einer Freundin mal versucht habe mit einem roten Ziegelstein Rouge zu machen :0)
    Rote Wangen haben wir auf jeden Fall bekommen :0)

    wünsche Dir ein schönes Wochenende,
    LG Claudia

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  6. Oh du bist Klasse.

    Liebe Andrea,
    dein Text ist wirklich supertoll. Du weißt gar nicht, was ich alles in meiner Kindheit angestellt habe. Von Fröschen, die ich mit nach HAuse geschleppt habe oder als Teenie barfuß im Spätherbst nach Hause, weil die Schuhe drückten, dumme Ausreden in der Schule, ..
    Leider neige ich dazu, meine Kinder viel zu sehr zu bemuttern. Ob das so gut ist, keine Ahnung!

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    Drück dich ganz fest

    GLG
    Heike

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  7. Also ich kannte den Text nicht, bin sehr gerührt und bewegt, und leider ertappe ich mich auch oft beim glucken!
    Danke!

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  8. Ich kannte den Text auch schon und ich liebe ihn. Von Zeit zu Zeit krame ich ihn auch heraus und lese ihn ..... manchmal mit ein bißchen Wehmut und meistens um in schönen Kindheitserinnerungen zu schwelgen.

    Nix ist wies war und alles wird anders. So ist es halt. Schon unsere Großeltern haben uns von der "guten alten Zeit" erzählt.

    LG
    Andrea

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  9. Liebe Andrea,
    dein Text ist einfach Klasse. Was waren wir für Draufgänger. Klar gab es auch negative Dinge, aber man erinnert sich halt sehr gerne an das gute.
    Wenn ich meinen Kindern heute erzähle was wir als Kinder gemacht haben. Auf Bäume geklettert, Kirschen beim Bauern neben an genascht, das waren einfach die besten. Im Fischteich schwimmen gelernt und mit Kindern jeden Alters gespielt. Manche Narbe eingefangen, die heute noch von Abenteuer erzählen. Sie glauben es kaum, bis Oma es bestätigen kann. Ich schenke meinen beiden Kindern einmal im Jahr die gute alte Zeit, wenn wir in den Urlaub fahren und sie freuen sich bis jetzt jedes Jahr darauf.
    Heute kämpfe ich als Mutter darum das die Kinder in meiner Nachbarschaft und meine eigenen auf einer riesigen Wiese hinterm Haus spielen dürfen und auf der Straße, wo eh kein Auto fahren darf die Kinder mit Straßenkreide malen dürfen. Ich darf nicht mal in der Schule Handarbeit unterrichten, es wäre keine Nachfrage da. Seltsam das ich dann im Kinderhort so viele Nachfragen danach habe.
    Einen Frosch dürfen meine beiden immer mit nach Hause bringen, was sie auch machen. Nur quälen dürfen sie keine Tiere.
    Ich versuche noch viele gute Sachen von meiner Kindheit heute meinen Kindern noch zu vermitteln.

    GLG Steffi

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  10. ach ja... *seufz*
    ... war es nicht schön?????

    ...damals


    lg einchen

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  11. Auch ich finde den Text super. Da wird man wirklich an die gute alte Zeit erinnert. Ich neige leider auch dazu meine Tochter sehr zu bemuttern. Woher kommt das bloß? Ich habe es anders erlebt, aber leider passiert auch zu viel. Wir wohnen in Berlin und ich würde meine Tochter (7) nicht in den Bus setzen und sie irgendwo hin fahren lassen, so wie es meine Mutter mit mir gemacht hat. Ich hatte Spass dabei, keine Frage... aber nein, ich hätte keine ruhige Minute. Eigentlich sagt man ja immer: wir werden es besser machen als unsere Eltern, aber machen wir es wirklich besser?

    Übrigens, schöner Blog, bin das erste Mal hier. Komme jetzt öfters vorbei...

    Liebe Grüße
    Diana

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